Tote Mädchen lügen nicht

Zwei Wochen, nachdem Hannah Baker sich das Leben genommen hat, bekommt Clay, der sehr in sie verliebt war, ein Päckchen mit 7 Kassetten zugeschickt. Ohne Absender, mit Hannahs Stimme auf den Bändern! Per Walkman hört Clay eine Kassette nach der anderen, während er zunehmend geschockt und verwirrt durch die Nacht und durch die Stadt läuft. Hannah spricht von 13 Personen und Begebenheiten, die zuletzt in ihrem Leben und auch für ihre Entscheidung gegen das Leben eine Rolle gespielt haben. Clay kennt sie alle.

Hannahs Redefluss (ihre Stimme ist im Text kursiv gesetzt) ist mit Clays Gedanken verwoben, die Hannah ständig unterbrechen. Das liest sich manchmal anstrengend, aber man gerät in den Sog der Erzählerstimme und fiebert mit Clay z.B. der Stelle entgegen, die von ihm selbst handelt.

Das Buch ist eine interessante und dichte Konstruktion von Themen, die Jugendliche beschäftigen: es geht um die Art Mobbing, die entsteht, wenn per Liste der „geilste Arsch“ der Klasse bestimmt wird, um Freundschaft und verratene Freundschaft, Eifersucht, Schüchternheit, um einen Platz in der Gruppe haben/suchen/nicht finden, um Feigheit, Hilflosigkeit und persönliches Versagen. Der Roman verweigert eine einfache Identifikation mit den handelnden Personen und auch nach der letzten Seite bleiben Fragen offen.

Stimmen von jugendlichen LeserInnen, die bei uns im Laden Leseexemplare ausleihen und dazu eine Besprechung verfassen:

... Tote Mädchen lügen war das beste Buch, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Ich habe es an zwei Tagen durchgelesen, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte.
Ich kann mir zwar nicht erklären, warum es so spannend war. Wahrscheinlich ist es einfach das Thema, das dieses Buch anspricht und der Wunsch, dass man das Motiv verstehen will. Dazu ist das Buch auch sehr gut geschrieben.
(14 J.)

... Dieses Buch ist sehr eindringlich geschrieben und das Thema Selbstmord bleibt nach dem Lesen erst einmal im Gedächtnis hängen. Die Ich-Perspektive, aus der erzählt wird, lässt das Buch so fesselnd wirken und man hat fast das Gefühl, sich selbst in der Geschichte wieder zu finden. Die Idee, dass ein totes Mädchen sich durch Kassetten „zurück meldet“ und die Gründe ihres Selbstmordes erklärt, wurde vom Autor gut ausgesucht. Ich selbst finde das Buch sehr gut.
(15 J.)

... Ich muss den Kommentar der „amerikanischen Buchhändlerin“ auf dem Buchumschlag („Ich selbst habe versucht, es [das Buch] beim Lesen aus der Hand zu legen. Es ist unmöglich.“) zustimmen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Jay Ashers’ Roman einen nicht loslässt. „Tote Mädchen lügen nicht“ zeigt eine sehr pessimistische, hoffnungslose Weltsicht und oft erkennt man sich selbst darin wieder – den fehlerhaften, unzufriedenen, egoistischen Menschen. Gerade weil es nur um die negativen Momente geht. Ich habe das Buch oft gelesen und lange gesucht nach etwas, das ich als negativ bezeichnen könnte. Ich dachte mir, dass es kein Buch gibt, zu dem man nichts Schlechtes sagen konnte. Ich fand nichts. Sicher, es ist kein Buch für jeden. Es wird Leute geben, denen Jay Asher’s Schreibstil nicht passt oder auch die negative Lebenseinstellung des Buches (bzw. von Hannah Baker- aber immerhin geht es um die Geschichte einer Selbstmörderin). Mir persönlich jedenfalls geht es nicht so.
(16 J.)

Jay Asher
Tote Mädchen lügen nicht
Übersetzung
Knut Krüger
cbt 2010 280 Seiten € 9,99
ab 8. bis 9. Klasse