Jan, mein Freund

Krille, der Ich-Erzähler, und die Bande werden von der Polizei mit Jans Fahrrad konfrontiert. Ob sie dieses Fahrrad schon mal gesehen haben? Welche Frage! Jan lernte man per Fahrrad kennen, Krille, jeder aus der Bande hatte ihn so kennen gelernt. Parallel zur Befragung durch die Polizei, die nach und nach noch andere Gegenstände - Jans Hose, sein Hemd, seine Turnschuhe - präsentiert, rollt Krille seine persönliche Geschichte mit Jan, diesem seltsamen und geliebten Freund, auf: schmächtig, rothaarig, mit mädchenhaften Gesichtszügen, tollkühn, artistisch sicher auf dem Rad, aber auch auf Geländern und Dächern, verschlossen, ohne Nachnamen, ohne Adresse, Eltern und Schule. Manchmal war er für Wochen verschwunden, dann plötzlich wieder da. Und: nichts von dem, was der Polizist zeigt, hätte Jan freiwillig hergegeben. So verdichtet sich die Ahnung von etwas Bedrohlichem, Schrecklichem, das passiert sein muss.  Zum Schluss - und jetzt ist Krilles Erzählung in der Gegenwart angelangt - ist Jan tot. Verschleppt, misshandelt, ermordet. Zum Schluss wird auch offenbar, dass Jan ein Mädchen ist.

Im Nachhinein erschließen sich die Andeutungen auf Jans Identität und auf seine Lebensumstände, viele schlagartig, für andere blättert man zurück und sucht die entsprechenden Stellen. Das Buch stellt hohe Anforderungen für die Rezeption des Textes: großer Umfang, mehrere Zeitebenen, fast alle Gespräche in indirekter Rede, detaillierte Beschreibungen von Orten, Personen, Schilderungen von Gefühlen und Gedanken, inneres Sprechen mit Jan als Text im Text sind die Hürden, die von den SchülerInnen überwunden werden müssen.

Wir nutzen die Neuauflage dieses Buches für eine erneute Empfehlung. Die „Bücherfresser“, eine Lesegruppe, die es vor einigen Jahren im Buchladen gab, haben „Jan mein Freund“ damals folgendermaßen beurteilt:

... Das Buch ist Klasse. Ich habe es sofort in den Kreis meiner Lieblingsbücher aufgenommen. Es gibt wenige Bücher, die einen später noch so beschäftigen. Es ist in der Ich-Form geschrieben, aus der Sicht von Krille, und zwar so, dass man auch immer die Zweifel von Krille mit bekommt. Das Ganze ist als Rückblende aufgebaut. Das Buch beginnt nämlich damit, dass ein Polizist Krille und der Bande Jans persönliche Sachen zeigt, und Krille beginnt, darüber und über Jan zu erzählen. Nach und nach beginnt der Leser zu überlegen und zu knobeln. Das ist wirklich toll gemacht!
(13 Jahre)


... Ich fand das Buch nicht schlecht, aber halt nur „nicht schlecht“. Das Ende ist erst ziemlich verwirrend geschrieben, aber dahinter kommt man auch nach einer Zeit und nach dem zweiten oder dritten Durchlesen. Die Geschichte ist echt eine gute Idee, aber ich fand sie teilweise etwas zu langatmig. Also, ich bin nicht sooo begeistert wie L., aber man liest es auf jeden Fall in einem Zug durch!
(16 Jahre)

... Ich habe sehr viel über das Buch „Jan, mein Freund“ nachgedacht. Was dabei rausgekommen ist, weiß ich auch nicht. Ich denke, ich werde einfach mal das aufschreiben, was mir so durch den Kopf geht: Jan ist seltsam und voller Geheimnisse, die er mit niemandem teilen will und vielleicht auch nicht darf oder kann. Eigentlich verrät einem das Buch nur wenig über Jan, den Rest, das Wichtige, muss man sich aus Andeutungen, Vermutungen und Bruchstücken zusammen reimen. Ich weiß nicht einmal, ob Jan ein Mädchen oder ein Junge ist!! Das klingt vielleicht seltsam und bevor ich das Buch gelesen habe, haben mir andere dasselbe gesagt und ich habe erstmal gedacht, die spinnen! So ein Buch gibt´s nicht, das ist doch komisch, wenn man nicht einmal weiß, um welches Geschlecht es sich handelt. Aber...ich weiß nicht, mich hat es irgendwie unzufrieden gemacht, dass ich es nicht mit Bestimmtheit weiß, aber auch neugierig. Ich komme irgendwie nicht weiter, kann nur sagen, dass es jeder lesen kann und sollte, um sich eine eigene Meinung zu bilden!
(15 Jahre)

... Ich fand dieses Buch sehr gut. Nicht nur die Sprache, auch der Inhalt hat mir gefallen. Es ist total spannend und gleichzeitig erfährt man total viel über die Gefühle von Krille, wie dreckig es ihm geht, wenn Jan verschwunden ist, zum Beispiel. Ich bin nicht ganz sicher, was denn nun am Ende passiert ist, aber soo wichtig ist das ja auch nicht. Ich fand das Buch toll, aber, wenn die Geschichte wahr ist, tut mir der, der sie erlebte, Leid.
(16 Jahre)

... Es fällt mir schwer, das Besondere an diesem Buch, den Zauber zu beschreiben! Einen Teil davon macht sicher Peter Pohl´s Schreibsprache aus. Sie ist witzig, ironisch, anspruchsvoll, locker, manchmal etwas langatmig und immer wieder anregend. Außerdem ist das Rätsel, die Spannung unbeschreiblich! Peter Pohl hat es geschafft, ein großes Geheimnis ein ganzes Buch lang so zu verstecken, dass jeder merkt, dass sich dahinter wieder eine eigene Geschichte, eine andere Welt, verbirgt. Sie ist bedrohlich und unerklärlich und auch nur geahnt. Zum Schluß ist das Ganze irgendwie aufgeklärt, es fallen einem aber noch lange irgendwelche Hinweise ein, die doch noch alles in ein anderes Licht rücken. Auch Krilles Phantasien vom wirklichen Geschehen zu trennen ist schwer, weil ich mich wirklich völlig in seine Situation versetzen konnte. Ich glaube, ich habe noch über kein Buch so lange nachgedacht. Ich empfehle es allen dringendst, aber erst ab 14 oder so!
(14 Jahre)

 

Peter Pohl
Jan, mein Freund
Übersetzung
Birgitta Kicherer
Ravensburger 2011 296 Seiten € 7,95
ab 9. Klasse