Ihr kriegt mich nicht

Mik ist wahrscheinlich zwischen 10 – 14 Jahre alt und lebt mit seinem ewig betrunkenen Vater und mit seinem älteren kleinkriminellen Bruder in Stockholm. Die Fürsorge bringt ihn ob der desolaten Familiensituation erst mal bei seiner Tante im schwedischen Norden unter. In diesem kleinen Ort mit allerlei schrulligen Gestalten erfährt Mik, dass Leben durchaus eine prima Sache sein kann und beschließt, mit Einverständnis der Tante, dort zu bleiben. Jedoch meint die Fürsorge einen besseren Platz für Mik zu haben und verbringt ihn in eine Pflegefamilie, wo er Sklavenarbeit verrichten muss. Er reißt aus, wird wieder zurückgebracht und reißt wieder aus. Er findet den Weg zurück zu seiner Tante und lebt dort ein Weilchen, bis die Fürsorge wieder vor der Tür steht.

In dieser Rahmenhandlung wird das Leben Miks aus seiner Perspektive erzählt. Er ist eher ein Antiheld und auch mehr ein Spielball der Umstände als Akteur seiner Geschichte, jedoch kämpft er, so gut er kann und kommt so mehr oder minder erfolgreich durch diverse große und kleine Abenteuer seiner kleinen Odyssee.

Das Besondere an dieser Geschichte ist weder die Handlung noch sind es die Charaktere, ihre hauptsächliche Qualität liegt in der ruhigen, unaufgeregten Beschreibung des Flusses der Ereignisse. Die Sätze sind einfach und im Schnitt kurz, es wird auf eine Dramatisierung der Ereignisse und längere innere Monologe verzichtet, und dennoch liegen einem die Innenwelten der agierenden Personen, so wie Mik sie sieht, offen. So wird über eine hohe Identifikation mit der Hauptperson ein Bangen um seinen Werdegang erzeugt. Eigentlich ein sehr schlichtes Konzept mit eher schlichten sprachlichen Mitteln, das der Autor jedoch so großartig umsetzt, dass das Lesen eine reine Freude ist.

Mikael Engström
Ihr kriegt mich nicht
Übersetzung
Birgitta Kicherer
dtv 2011 330 Seiten € 7,95
ab 6. Klasse