Echte Cowboys

Drei Jugendliche um die 15/16, alle mit nicht gerade rosigem Familienhintergrund: Cosmos’ Mutter ist seit Jahren Alkoholikerin und stirbt nach einem Selbstmord-Versuch im Krankenhaus, sein Vater sitzt im Gefängnis. Toms Vater hat erklärtermaßen mit Familie und seinem Sohn nichts am Hut und ist dauer-abwesend. Nathalies Eltern regeln alles, auch die Bedürfnisse ihrer Tochter, mit Geld. Soweit die doch etwas stereotypen Ausgangsbeschreibungen der Hauptfiguren.

Aber dann nimmt die Geschichte mit Cosmos’ Flucht aus dem Heim, in dem er untergebracht werden soll, schnell Fahrt auf. Einerseits gibt ein etwas verkrachter Polizist, der Cosmo zu finden versucht, der Handlung Dynamik, andererseits gewinnen die Jugendlichen selbst zunehmend an Kontur und Individualität. Es ist spannend zu lesen, wie sie sich kennenlernen, sich aufeinander zu und voneinander weg bewegen, immer auf der Hut und gleichzeitig sehnsüchtig nach Nähe und gemocht werden. Bleiben oder weglaufen? Sich rächen oder vergessen? Eingreifen oder zuschauen? Solche Gegensätzlichkeiten werden keineswegs schwarzweiß abgehandelt. Außerdem hat der Autor gelungene Dialoge geschrieben, glaubwürdige Jungen- und Mädchenperspektiven eingenommen und ein offenes, aber positives Ende gefunden.

Stephan Knösel
Echte Cowboys
Beltz 2011 237 Seiten € 7,95
ab 8. Klasse