Das Buch von allen Dingen

Seine Gedanken, seine Fragen seine vorsichtigen Antworten darauf schreibt Thomas in ein Buch, das er das „Buch von allen Dingen“ nennt. Thomas, ungefähr acht Jahre alt, ist besonders: er sieht Dinge, die andere nicht sehen, z.B. die Schönheit von Elisa mit der Beinprothese, Frösche zuhauf in den Straßen, tropische Fische im Kanal und sogar Jesus. Alles, worüber Thomas nachdenkt, steht ihm wie lebendig vor den Augen.

Es gibt allerhand zum Nachdenken, denn Thomas’  Zuhause ist geprägt durch religiöse Verbohrtheit, Angst und Freudlosigkeit. Leser und Leserinnen halten selbst den Atem an, wenn der Vater vom Tisch aufsteht, bis zur Lampe anzuschwellen scheint und die Mutter im Namen Gottes schlägt. Die Wohnung einer furchtlosen Nachbarin ist Thomas’ Fluchtburg. Bei der alten Frau beginnt er mit dem, was er sich für später vorgenommen hat, nämlich glücklich zu sein. Furchtlosigkeit steckt an, Mut zeigen ermutigt andere: Thomas Schwester, seine Mutter. Dem Vater gemeinsam die Stirn bieten entlarvt diesen als einen hilflosen, angstvollen Menschen, unfähig zur Fröhlichkeit.

Der Autor macht einem wenig Hoffnungen für den Vater, aber dass Thomas glücklich wird, hält er durchaus für möglich. „Das Buch von allen Dingen“ ist schmal, aber spannend, merkwürdig, erschreckend und anrührend: es ist besonders wie sein Protagonist.

Guus Kuijer
Das Buch von allen Dingen
Übersetzung
Silke Hachmeister
Oetinger 2011 95 Seiten € 6,95
5. bis 7. Klasse