Empfehlungsliste 36

Und wieder: Lesen in der Schule!

Ja! Wir sind immer noch davon überzeugt, dass es Spaß macht und wichtig ist, in der Schule Kinder- und Jugendliteratur zu lesen! Mal abgesehen davon, dass die Schule für den einen oder die andere eine der wenigen Gelegenheiten ist, überhaupt zu lesen, kann ein Buch wie kaum ein anderes Medium Einblicke in die Lebenswirklichkeit und die Gedankenwelt von Kindern und Jugendlichen hier und anderswo eröffnen. Einfach, weil es sich Zeit nimmt, weil es „im Ganzen“ angelegt ist, und auch, weil eine Erzählerstimme da ist, die zwischen der unmittelbaren Erfahrung von etwas und ihrer Darstellung steht.Diese Stimme nimmt verschiedene Blickwinkel ein, sie stellt Fragen, manchmal ordnet sie auch, stellt Zusammenhänge her und manchmal gibt sie auch alles zurück an die LeserInnen, lässt bewusst Fragen und Entwicklungsmöglichkeiten offen und Raum für eigene Lösungen, Wünsche, Träume. So kann der sprichwörtliche Blick über den Tellerrand eingenommen werden, so sammeln SchülerInnen literarische Erfahrungen.
Wir empfehlen in dieser Liste mit ein paar Sätzen 18 Titel für die Grundschule und die SEK I. Die genannten Bücher sind im Laden vorrätig und natürlich bestellen wir alles von einem auf den anderen Tag.
Wir laden zum Stöbern ein!

für die Grundschule:

Glitzerkatze und Stinkmaus

Die Stinkmaus heißt Odoretta, sie stinkt, obwohl Stinkmäuse eigentlich nicht stinken, sondern nur so heißen. Die Glitzerkatze heißt Pellegrine, die, obwohl schon alt genug, einfach nicht glitzert. Zuerst sind sie zusammen, weil das besser zu sein scheint, als allein zu bleiben, aber nach und nach werden sie Freundinnen. Das wird liebevoll und humorvoll erzählt, mit Platz für jedem bekannte Gefühle: verlassen sein, sich nicht anerkannt fühlen, sich falsch fühlen. Die Handlung steuert gradlinig auf einen Höhepunkt zu, der sowohl Odoretta und Pellegrine als auch die LeserInnen zufrieden zurück lässt.

Andreas Steinhöfel
Ole Könnecke (Illustration)
Glitzerkatze und Stinkmaus
Carlsen TB 2014, 96 Seiten, € 4,99
ab 3. Klasse

Rosie und Moussa

Zuerst weiß Rosie nicht so recht, was sie von Moussa halten soll, der schon in dem Mietshaus wohnt, in das sie mit ihrer Mutter gerade erst einzieht. Er führt eine Katze am Halsband und besteht darauf, dass sie als Hund betrachtet wird! Und erst seine Klamotten!
Moussa will Rosie alles im Haus zeigen und Rosie trottet irgendwie hinterher. Erst ein gemeinsam überstandenes Dachabenteuer (es ist strengstens verboten, da rauf zu gehen!) ist der Beginn einer neuen Freundschaft.
Die Bilder von J.Vanistendael haben viel Platz und erzählen manches Detail, das im Text keine Erwähnung findet. Wie überhaupt viel offen bleibt: wo ist Rosies Vater, wo ist Moussas Mutter, was ist mit Moussas Kleidern? Stoff für die Fortsetzungen (auch bei Beltz).
Eine schöne, literarische Erzählung für Grundschülerinnen ab der 2.Klasse.

Michael De Cock
Judith Vanistendael (Illustration)
Rosie und Moussa
Übersetzung: Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
Beltz TB 2016, 89 Seiten, € 5,95

Steinadler

Willy lebt mit seinem Großvater und dem Hund Spürnase auf einer Kartoffelfarm. Sie sind zwar arm, aber haben viel Spaß am Leben, bis Großvater eines Morgens nicht mehr aufstehen will. Es stellt sich heraus, dass Großvater über Jahre keine Steuern gezahlt hat und nun die Pfändung der Farm droht. Entgegen aller Ratschläge die Farm zu verkaufen, sieht Willy im Gewinnen eines anstehenden Hunderennens, das er mit Spürnase laufen will, die Lösung: die Gewinnsumme zahlt die Steuer, und Großvater wird gesund und steht wieder auf. Willy weiß jedoch, dass ein Indianer namens Steinadler mitläuft, der noch nie ein Hunderennen verloren hat!
Erzählt wird die Geschichte in kurzen einfachen Sätzen aus Willys Perspektive, die sehr viel Raum für eigene Assoziationen lassen. Die Handlung strebt relativ gradlinig auf einen Showdown am Ende des Hunderennens zu, der zugleich das unerwartete, als auch offene Ende der Geschichte darstellt. Die nüchterne knappe Sprache sorgt dafür, dass trotz großer Dramatik und Emotionalität die Geschichte nicht in Kitschigkeit abgleitet.

John Reynolds Gardiner
Gabriele Hafermaas (Illustration)
Steinadler
Übersetzung: Aus dem Amerikanischen von Almut Atkins
Ravensburger TB 1989, 125 Seiten, € 5,95

Die Piratenamsel

Ein Beo namens Padde ist Hauptfigur dieser temperamentvollen Tiergeschichte. Er versteht alles, kann sprechen und fluchen und außerdem brüllen wie ein Tiger – sehr hilfreich, wie sich später zeigt. In Indien gefangen, in Hamburg in einer Zoohandlung gelandet, verkauft, in den Zoo gebracht, ausgebüxt – Padde muss viele Abenteuer bestehen, bis er endlich bei dem Mädchen mit dem roten Mantel bleiben kann, das auf einem Schiff wohnt und immer wieder seinen Weg kreuzt. Auch Störtebecker, sein alter Freund aus der Zoohandlung, findet auf dem Schiff ein Zuhause.
Das Buch kann schon ab der 3. Klasse gelesen werden, die lustigen Bilder von Axel Scheffler machen Spaß und lockern kompakte Textseiten auf.

Uwe Timm
Axel Scheffler (Illustration)
Die Piratenamsel
dtv TB 2016 (NA), 112 Seiten, € 6,95

Wir alle für immer zusammen

Trennung der Eltern, Drogensucht des Vaters, eine etwas planlose Mutter und jetzt auch noch Liebeskummer-ziemlich
viele Baustellen im Leben der 11jährigen Polleke. Auf spannende und witzige Weise schildert der niederländische Autor den Alltag des originellen Mädchens, die in diesem Durcheinander ihrem Ziel “Wir alle für immer zusammen“ näher  ommen möchte.Von den Erwachsenen weitgehend allein gelassen, behält sie oft als einzige den Überblick und ist trotz der Probleme ein glückliches Kind, von der man viel lernen kann und mit der man sich gerne identifiziert.

Guus Kuijer
Alice Hoogstaad (Illustration)
Wir alle für immer zusammen
Übersetzung: Aus dem Niederländischen von Sylke Hachmeister
cbj TB 2005, 93 Seiten, € 5,90
ab 4. Klasse

Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums

Endlich mal nach Finnland in die Heimat seines Vaters reisen wie sein Freund Matti, das ist Samis größter Wunsch.
Leider ist das unmöglich, es sei denn, jemand fälscht Preisausschreiben, lässt Missverständnisse im Raum stehen, hält aus, dass die Eltern für den Umzug ins vermeintlich gewonnene finnische Haus Hab und Gut verkaufen …Sami tut das alles und natürlich bricht sein wankendes Lügengebäude irgendwann ziemlich großartig zusammen! Was hat er sich eigentlich bei der ganzen Sache gedacht?
Mit trockenem Humor wird die Story entfaltet, mit Sympathie für Sami, für den Vater und seinen verfeindeten finnischen Bruder, für die ganze Familiensituation. Und Glück im Unglück fehlt auch nicht. Eine turbulente, etwas verrückte Geschichte, zu der auch Vorlesen gut passt.

Salah Naoura
Anke Kuhl (Illustration)
Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums
Beltz TB 2016, 144 Seiten, € 6,95
für die 4. Klasse

Ein Pferd namens Milchmann

Hermann hatte sich gerade ein Butterbrot gemacht, als es von draußen hustet. Auf der Terrasse befindet sich ein riesiges Pferd mit einem Stirnband, auf dem „MM“ steht. Dieses schmeißt erst mal den Gartengrill um, kommt dann herein und äpfelt auf Mamas Yoga Teppich. Hermann beschließt, das Pferd MilchMann zu nennen, es in der Garage zu verstecken, alle Spuren zu beseitigen und es mit in die Schule zu nehmen. Mit einigen waghalsigen Manövern gelingt das sogar und in der Schule stellt sich heraus, dass seinem Mathelehrer und anderen Menschen in der Stadt auch Pferde zugelaufen sind. Mit Hilfe eines alten Schmiedes aus dem örtlichen Pflegeheim gelingt es Herrmanns Klasse, das Pferdegeheimnis zu lösen und ein solides Happy End herbeizuführen. Diese Geschichte hat viel Witz, genügend Absurditäten und ein rasantes Tempo. Sie macht einfach Spaß und ist zudem noch großartig komisch von Anke Kuhl illustriert.

Hilke Rosenboom
Anke Kuhl (Illustration)
Ein Pferd namens Milchmann
Carlsen TB 2005, 139 Seiten, € 5,99
ab 3. Klasse

Als mein Vater ein Busch wurde

Ein Krieg irgendwo auf der Welt. Die „einen“ kämpfen gegen die „anderen“, obwohl sie bisher friedlich nebeneinander gewohnt hatten. Mitten drin ein Mädchen, deren Vater auch in den Kampf zieht. Immerhin weiß er, wie er sich tarnen kann, wenn der Feind kommt, damit beruhigt das Kind sich. Toda, so heißt sie später, soll mit einer Gruppe flüchtender Menschen über die Grenze zu ihrer Mutter „reisen“. Schlepper lassen die Gruppe allein, Toda geht verloren …
Die Autorin lässt die LeserInnen einen Kinderblick auf diese Situation einnehmen. Auf Verantwortung, die zu schwer ist, auf das Erlebnis, nicht verstanden zu werden, nichts verstehen können, auf Begegnungen mit merkwürdigen Erwachsenen, auf unerklärliche Geschehnisse, die doch irgendwie verstehbar gemacht werden müssen.
Todas Geschichte geht gut aus und wir haben ein ganz besonderes Buch über ein Kind im Irgendwo gelesen.

Joke van Leeuwen
Joke van Leeuwen (Illustration)
Als mein Vater ein Busch wurde
Übersetzung: aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers
Oetinger TB 2015, 119 Seiten, € 6,99
nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis

Kükensommer

Der Kinderroman blickt mit den Augen der 10-jährigen Flora auf die reiche, neu zugezogene Familie nebenan. Deren Tochter Evi gibt sich alle Mühe, die neue Lebenspartnerin ihres Vaters noch kurz vor der Hochzeit raus zu ekeln. Was soll Flora tun, als Evi sich ungefragt in ihr Leben drängelt? Wie verhält man sich, wenn man unfreiwillig in einen solchen Familienkonflikt hinein gerät? Zudem hat Flora eigene Probleme, sie hält nämlich ein „gefundenes“ brütendes Huhn im Schrank versteckt! Und Tim, der Sohn des Hochzeitsberaters, ist komisch und nett zugleich!
Die Erlebnisse des ungleichen Trios mit dem Huhn, den Eiern und den Küken sind die Grundlage dafür, dass nebenan vielleicht doch noch alles gut wird.
Der heiter-ernste Kinderroman eignet sich für die 4. und 5. Klasse als Lektüre, zum Vorlesen auch früher.

Anna Woltz
Angelika Glökler (Illustration)
Kükensommer
Übersetzung: aus dem Niederländischen von B. Bach, E. Schweikart
dtv TB 2016, 158 Seiten, € 6,95
für die SEK I

Wie ich zu besten Schlagzeuger der Welt wurde und warum

Jordan Sonnenblick
Wie ich zu besten Schlagzeuger der Welt wurde und warum
Übersetzung: aus dem Englischen von Gerd Bean
Carlsen TB 2016, 204 Seiten, € 7,95

Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß

Zwei Jugendromane, die mit verschiedenen Schwerpunkten ein Brüder – bzw. Geschwisterverhältnis ausloten.
In „Der beste Schlagzeuger“ gehört der Blickwinkel dem älteren Bruder Steven. Er inszeniert sich als Schlagzeug-Nerd, als Spinner mit jeder Menge cooler Sprüche auf den Lippen: Wenn du dich im Sport wichtig machst, bist du ein Angeber, wenn du im Unterricht gut bist, ein Streber, aber wenn du am Schlagzeug ne Show abziehst, lieben dich die Leute. Stevens Leben ist irgendwie normal gut, bis sein nerviger kleiner Bruder an Leukämie erkrankt. Alles steht Kopf und Steven wird die Frage nach dem, was ihm wichtig ist, im Laufe der Erzählung neu beantworten.
Der andere Roman nimmt die Perspektive des jüngeren Bruders Lenny ein, dessen Leben durch den Tod des Älteren aus der Bahn geworfen wird. Der tolle, schöne, talentierte, allseits be- und geliebte Bruderheld, der eines Tages (im Ernst des Lebens) die Apotheke des Vaters übernehmen wird, stürzt beim Klettern ab. Niemand außer Lenny stellt Fragen an den Unfall. Als er herausfindet, dass Jakob nicht gestürzt, sondern gesprungen ist, wird nicht nur sein bisheriges Bruderbild tief erschüttert. Plötzlich tritt er – der Schattenbruder – ins Licht.
Der Text wirft nicht nur private, sondern allgemeine Lebensfragen auf, die Lenny in erlebter Rede mit seinem toten Bruder verhandelt. Die ernsthafte, ja, poetische Sprache bildet einen Gegensatz zu den oft witzigen Passagen und Dialogen des „Schlagzeugers“. Der lässt zwar auch Ernsthaftigkeit nicht vermissen, bleibt aber ganz nah an Stevens konkreter Situation.
Wir empfehlen „Wie ich zum besten Schlagzeuger..“ ab 12, den „Der Ernst des Lebens..“ ab 14 Jahren.

Christoph Wortberg
Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß
Beltz TB 2016, 190 Seiten, € 7,95

Königin des Sprungturms

Der Roman erzählt von einer Mädchenfreundschaft die durch den Leistungssport bestimmt ist. Karla und Nadja haben sich beide dem Wasserspringen verschrieben und für lange Jahre ist das Training im Schwimmbad das wichtigste in ihrem Leben.
Als die „immer bessere Karla“ durch eine traumatische Familiengeschichte aus dem Takt gerät und ihre Leistung darunter leidet, beobachtet Nadja das erstaunt, aber auch merkwürdig distanziert.
Zwar gelingen ihr jetzt bessere sportliche Leistungen, aber nachdem sie ihre Freundin in einer dramatischen Szene aus höchster Not rettet, trifft sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine eigene Entscheidung und beendet ihre sportliche Karriere.

Martina Wildner
Königin des Sprungturms
Beltz TB 2015, 211 Seiten, € 6,95
ab 5. Klasse
ausgezeichnet mit dem Jugendliteraturpreis 2014

Der unvergessene Mantel

Der Mantel liegt noch immer im Fundkorb der alten Schule der Ich-Erzählerin, Er blieb vor Jahren einfach hängen, weil Dschingis ihn nicht abholen konnte. In der Manteltasche befindet sich sogar noch ein Stapel Polaroids – sie waren damals, als Dschingis und sein kleiner Bruder in ihre Klasse kamen, der Existenzbeweis für ihre Heimat, die Mongolei.
Die Erzählerin erinnert sich, wie sie sich als „Kümmerkind“ für Dschingis alles aneignete, was sie über die Mongolei finden konnte. Wie sie ihm folgte, aus ihm aber nicht schlau wurde, ihn ausfragte, aber nicht verstanden hatte, dass Dschingis’ Alltag vor allem von Angst vor einer drohenden Abschiebung bestimmt war.
Die abgebildeten Polaroids (keineswegs Bilder der Mongolei) und ein Nachwort des Autors runden diese berührende Erzählung über ein Flüchtlingsschicksal ab. Spannend, wie über den Rückblick der Erzählerin auch Dschingis‘ Lebenssicht zum Ausdruck kommt.

Frank Cotrell Boyce
Der unvergessene Mantel
Übersetzung: aus dem Englischen von Salah Naoura
Carlsen TB 2016, 100 Seiten, € 6,99
ab 5. Klasse
ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2013

Elefanten sieht man nicht

Ist es möglich, mit Sprachwitz und feinem Humor über Gewalt in der Familie zu sprechen? Susan Kreller ist das gelungen, und zudem ist ihre Ich-Erzählerin Mascha eine äußerst glaubwürdige 13-jährige. Eigentlich zu alt für den Spielplatz, auf dem sie immer rumlungert, wenn sie bei ihrer Oma ist, ist ihre Aufmerksamkeit gefangen von den beiden Kindern, die sie dort kennen lernt und die offensichtlich geschlagen werden. Als sie ihnen nachspioniert und ihre Vermutung bestätigt sieht, erlebt Mascha entsetzt, das keiner ihrer Erwachsenen damit etwas zu tun haben will, nicht einmal ihr geliebter Opa. Sie will die Kinder schützen und sperrt sie in einer plötzlichen Eingebung in ihren alten Spielschuppen ein. Natürlich ist das eine Sackgasse und zum Scheitern verurteilt, aber letztlich fördert Maschas Lösungsversuch doch das Problem ans Tageslicht: den „Elefanten“ im Raum sieht man jetzt!

Susan Kreller
Elefanten sieht man nicht
Carlsen TB 2016, 208 Seiten, € 6,99
ab 7. Klasse
nominiert für den deutschen Jugendliteraturpreis

Schwarzer, Wolf, Skin

Wolfgang Schwarzer, genannt „Schwarzer Wolf“ ist ein Skin. Die organisierten Nazis sind nicht so sein Ding, aber sie stellen Räumlichkeiten und Alkohol zu Verfügung und außerdem haben sie die richtigen Ansichten. Gewalt ist sein Ding. Sie regelt die Hierarchie in der Gruppe und lässt einen das Gefühl von Macht erleben.
Marie Hagemann schildert die Welt von „Schwarzer Wolf“ aus seiner Perspektive. Sie beschreibt die gewalttätige Welt der Skin ungeschminkt und unkommentiert. In der Neuauflage von 2016 gibt es einen Materialblock von 20 Seiten, der sowohl als Kommentar fungiert als auch Diskussionsgrundlage sein kann.

Marie hagemann
Schwarzer, Wolf, Skin
Thienemann 2016 (NA), 143 Seiten, € 9,99
ab 8. Klasse

Anders

Felix nennt sich Anders, als er aus einem langen Koma erwacht. Er hat keine Erinnerung an den tragischen Unfall, der ihn ins Koma beförderte, auch keine an sein Leben davor. Und tatsächlich ist er auf merkwürdige, ja, mystische Art anders als es Felix war und eine Herausforderung für Eltern, Freunde, Lehrerin – alle. Dass es in Anders’/Felix’ Leben etwas gibt, das verborgen sein soll, wird zunächst nur durch eine festungsmäßig geschützte Datei auf seinem Computer angedeutet, die sein Vater versucht zu entschlüsseln – lange vergeblich. Die Erzählerstimme allerdings kennt die Geschichte, sie tritt sehr nah an die beteiligten Personen heran, sie verwebt eine alte Sage mit den gegenwärtigen Ereignissen, aber sie verliert keinen Augenblick ihr Ziel aus den Augen: dass nämlich geklärt werden muss, warum Felix am Tag des Unfalls ungewöhnlich aufgeregt, zu ungewohnter Zeit und aus der falschen Richtung nach Hause kam, was sich in jener verschlüsselten Datei befindet und was Felix selbst, sein alter Nachhilfelehrer Stack und seine Freunde Ben und Nisse damit zu tun haben.
Ein äußerst spannendes Buch, literarisch anspruchsvoll, gleichzeitig böse und zart, traurig und hoffnungsvoll, magisch und realistisch. Obwohl die Protagonisten Kinder an der Schwelle zum Jugendlich-Sein sind, empfehlen wir das Buch erst ab der 9.Klasse.

Andreas Steinhöfel
Anders
Carlsen TB 2017, 240 Seiten, € 7,99

Meto - das Haus

64 Jungen, einer davon ist Meto, leben in einem Haus. Ein streng geregelter Tagesablauf mit skurrilen Ritualen und Wettkämpfen bestimmt das internatsartige Leben. Im Haus besteht eine starre Hierarchie, an deren Spitze die unhinterfragbaren Cäsaren stehen. Es gibt keinerlei Informationen über den Hintergrund und Zweck dieses Hauses. Durch die Beschreibung von Metos Leben erfährt mensch Stück für Stück mehr von den meist sonderbaren Regeln und Abläufen, die von allen unwidersprochen hingenommen werden, bis Meto anfängt die Welt des Hauses zu hinterfragen.
Die Geschichte ist in einer schlichten, sehr deskriptiven Sprache erzählt. Die Dinge geschehen einfach und sind grausam. Durch die Abwesenheit von emotionalen Bewertungen und das weitgehende Fehlen von Hintergrundinformationen wird eine Atmosphäre erzeugt, die die Kälte der Welt des Hauses spürbar werden lässt.

Yves Grevet
Meto - das Haus
Übersetzung: aus dem Französischen von Stephanie Singh
dtv TB 2014, 218 Seiten, € 7,95
ab 8. Klasse

Was vom Sommer übrig ist

In den Sommerferien treffen sich zufällig ein 13 und ein 17 jähriges Mädchen, die beide aus unterschiedlichen Gründen gerade in ihren Familien keinen Halt finden. In kurzen Szenen erzählt Bach abwechselnd aus den Perspektiven der Mädchen, im Handlungsverlauf verschränken sich die Ereignisse dann immer mehr zur gemeinsamen Geschichte.
Jede von ihnen muss andersartige Hindernisse überwinden und aus der anfänglichen Ablehnung der älteren gegenüber der Jüngeren entwickelt sich eine mitfühlende Freundschaft. Die jüngere trauert um ihren Bruder der im Koma liegt, die Ältere schafft eine Prüfung nicht. Aber nicht diese Probleme stehen im Vordergrund wenn sich die beiden treffen, sondern der Wille diesen Sommer mit allen Sinnen zu genießen und Dinge zu tun die sie so noch nicht getan haben.

Tamara Bach
Was vom Sommer übrig ist
Carlsen TB 2016, 139 Seiten, € 6,99
ab 7. Klasse

Alle erwähnten Verlage betreiben innerhalb ihrer Online-Auftritte LehrerInnenportale, da sind Unterrichtsideen und  Kopiervorlagen zum Download zu finden, auch weitere Rezensionen, manchmal auch Erfahrungsberichte aus dem Unterricht. Kopiervorlagen sind z.B. bei Beltz auch auf Papier zu haben, sprechen Sie uns an, wir bestellen das gerne.