Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß

Zwei Jugendromane, die mit verschiedenen Schwerpunkten ein Brüder – bzw. Geschwisterverhältnis ausloten.
In „Der beste Schlagzeuger“ gehört der Blickwinkel dem älteren Bruder Steven. Er inszeniert sich als Schlagzeug-Nerd, als Spinner mit jeder Menge cooler Sprüche auf den Lippen: Wenn du dich im Sport wichtig machst, bist du ein Angeber, wenn du im Unterricht gut bist, ein Streber, aber wenn du am Schlagzeug ne Show abziehst, lieben dich die Leute. Stevens Leben ist irgendwie normal gut, bis sein nerviger kleiner Bruder an Leukämie erkrankt. Alles steht Kopf und Steven wird die Frage nach dem, was ihm wichtig ist, im Laufe der Erzählung neu beantworten.
Der andere Roman nimmt die Perspektive des jüngeren Bruders Lenny ein, dessen Leben durch den Tod des Älteren aus der Bahn geworfen wird. Der tolle, schöne, talentierte, allseits be- und geliebte Bruderheld, der eines Tages (im Ernst des Lebens) die Apotheke des Vaters übernehmen wird, stürzt beim Klettern ab. Niemand außer Lenny stellt Fragen an den Unfall. Als er herausfindet, dass Jakob nicht gestürzt, sondern gesprungen ist, wird nicht nur sein bisheriges Bruderbild tief erschüttert. Plötzlich tritt er – der Schattenbruder – ins Licht.
Der Text wirft nicht nur private, sondern allgemeine Lebensfragen auf, die Lenny in erlebter Rede mit seinem toten Bruder verhandelt. Die ernsthafte, ja, poetische Sprache bildet einen Gegensatz zu den oft witzigen Passagen und Dialogen des „Schlagzeugers“. Der lässt zwar auch Ernsthaftigkeit nicht vermissen, bleibt aber ganz nah an Stevens konkreter Situation.
Wir empfehlen „Wie ich zum besten Schlagzeuger..“ ab 12, den „Der Ernst des Lebens..“ ab 14 Jahren.

Christoph Wortberg
Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß
Beltz TB 2016 190 Seiten € 7,95