Empfehlungsliste 33a

Bilderbücher für alle

An einem dunklen Nachmittag gemütlich auf dem Sofa, als Gute-Nacht-Geschichte auf der Bettkante, irgendwo bäuchlings auf dem Boden, sogar am Küchentisch: Bilderbücher kann man überall aufschlagen. Und oft kommt dann noch jemand dazu, der/die einem neugierig über die Schulter linst.

Sieben Hamster

Es beginnt mit einem kleinen Loch, das zwar dunkel, aber ein warmes und sicheres Zuhause für sieben Hamstergeschwister ist. Ja, und dann werden die Hamster zu groß, das Loch zu klein und sie müssen hinaus in die Welt! Das Gejammer ist groß: Das schaffen wir nie – Unsere Ohren werden erfrieren – Ich will zurück - Wenn wir nur ein paar winzige Löcher hätten! Die sind dann doch schnell gefunden und über den Kopf gestülpt, für jeden eins. Damit fühlen sie sich sicher, bis auf den Kleinsten, dessen Loch ein Loch hat, was letztlich aber zum Vorteil ist, denn er kann etwas sehen. Auf geht’s!

Die LeserInnen haben natürlich längst bemerkt, dass sich die ganze Geschichte auf einem Schrottplatz abspielt, von einem Kettenhund bewacht, der zwar vorerst noch schläft, aber schon mal ein Augenlid hebt, als die Hamster erschrocken, aber mutig ein Hindernis nach dem anderen in Angriff nehmen. Bruder, was siehst du? Ich weiß nicht, ganz viel Wasser! Ah, das Meer (eine Pfütze)! Bruder, was siehst du? Ich weiß nicht, etwas Hohes, ah, ein Berg (ein Tisch). So geht es weiter bis zum Rand der Welt! Müssen sie über den Rand hinaus? Schaffen sie das? Ist es da sicher? Was siehst du, Bruder?...Bruder??.. Natürlich nimmt kein Hamster, der am Rand der Welt gestanden hat, es hin, dass der kleine Bruder in den Fängen einer Bestie steckt!

Beides, die witzigen Bilder und der pointierte Sprechblasen-Text, das i-Tüpfelchen der Bildergeschichte, machen großen Spaß. Gut gelöst, wie die LeserInnen den Hamstern immer ein Stück voraus sind und letztere doch liebenswert bleiben. Herrlich, wie die Geschwister ihren Bruder befreien und am Schluss fast an ihrem neuen Zuhause vorbei rennen: Halt!

Alexis Deacon
Viviane Schwarz (Illustration)
Sieben Hamster
Übersetzung: Uwe-Michael-Gutzschahn
Gerstenberg 2011, € 12,95
ab 3 Jahren

Welt der Farben

Der österreichische Künstler Willy Puchner ist ein Reisender in alle Welt. In seinem Gepäck befinden sich immer ein Tagebuch, Stifte, Schere und Klebestift. Hin und wieder erscheint dann ein weiteres seiner „Materialbücher“, in denen er seine Eindrücke zusammengefasst, geordnet und benannt hat. Jetzt also die „Welt der Farben“. Wir wussten schon , dass das Meer und die Fische, die Meerlandschaften andere Farben haben als ein Vulkan oder das Hochgebirge, dass auch Städte Farben haben. Aber hat schon jemand versucht, Blauwalblau zu mischen oder Knurrhahnrot von Barschrot zu unterscheiden? Auf der Wiese ist ein Sauerkleegrün anders als das Zittergrasgrün, die Vulkane haben Farben von Ätnabraun bis Fujiweiß, und auch die ägyptischen Gottheiten und französische Filmschauspielerinnen haben Farben.

Eigene Reisenotizen, Zitate, Kuriositäten ergänzen  Puchners  Farben-Kosmos. Man denkt an die Inuit, die so viele verschiedene Wörter für Schnee haben sollen – Puchner erfindet sie für rot, blau, grün, gelb, weiß und schwarz, außerdem noch die Bilder dazu. Das Buch hat aber auch etwas von einem „Farben-Fächer“, den man im Malergeschäft bekommen kann. Es fällt einem auch Frederick, Leo Lionnis kleiner Mäuserich ein, der zum Erstaunen der anderen einen Wintervorrat an Farben, Wörtern und Sonnenstrahlen anlegt. So geht es mit Willy Puchner: weil er sammelt und zeigt, können wir uns auch im Winter im Wohnzimmer am Spektralvogel, den Farben der Wüste und am Lesefisch freuen.

Die “Welt der Farben“ ist ein schönes und anregendes Schau-Buch für alle.

Willy Puchner
Welt der Farben
Residenz (Nilpferd) 2011, € 19,90
ab 6 Jahren

Was macht Emma? Bildergeschichten

Emma ist ein kleines Bären-Kind, kugelrund mit vorwitziger Schnauze, bekleidet mit einer fröhlichen, roten, weiß gepunkteten Hose. In jeweils einer kleinen übersichtlichen Bildfolge präsentiert Jutta Bauer Episoden aus Emmas Alltag: Wie schwer es ist, auf einen Stuhl zu klettern (und wie unangenehm, gleich wieder runter zu fallen), wie schön ein sperriger Stock ist, so schön, dass Emma ihn glatt mit ins Bett nimmt, dass Selbstessen zwar schwierig und schmierig ist, aber eine Menge Spaß macht, dass Emma mit Oma doch sehr schön spielen kann, obwohl das erst nicht so zu klappen scheint – und noch weitere.

Die Autorin/Illustratorin lässt kein einziges Wort fallen, so dass Große zu den Bildern kleinste, kleine und lange Geschichten erzählen können. Es gibt schon andere Emma-Bücher auf dem Markt, auch schön, mit jeweils einem Thema (z.B. „Emma wohnt“, „Emma lacht“), die Bilder werden darin mit einem gereimten Zweizeiler begleitet. Dieses aber ist in seiner Klarheit besonders gelungen, die gezeichneten Ereignisse sind zum Wiedererkennen schon für ganz kleine Kinder bestens geeignet, und eine Freude für alle, die mitgucken (müssen).

Jutta Bauer
Was macht Emma? Bildergeschichten
Carlsen 2011, € 9,95
2-3 Jahre